Prozessorientierte Organisationsgestaltung
Nach dem Hoch des Themas Prozessorganisation in den 1990er-Jahren läuft seit einiger Zeit die zweite Welle durch Praxis und Wissenschaft. In Unternehmen wird derzeit so viel wie noch nie an Prozessen gearbeitet. Ganze Wertschöpfungsketten werden neu definiert und einzelne Prozessschritte werden technisch und organisatorisch optimiert. Bei einer prozessorientierten Organisationsgestaltung werden zuerst die Geschäftsprozesse des Unternehmens top-down identifiziert und gestaltet. In einem zweiten Schritt werden die Organisationseinheiten des Unternehmens so gestaltet, daß jede Organisationseinheit einen Geschäftsprozess so autonom wie möglich abwickeln kann. Ziel sollte es also sein, daß es relativ wenige Abhängigkeiten zwischen den so gestalteten Organisationseinheiten gibt, so daß Koordinationskosten und Durchlaufzeiten minimiert werden können. Die so gestaltete Aufbauorganisation des Unternehmens folgt dem Prinzip „structure follows process“. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Kundenorientierung, welche einen hohen Grad an Output- und Prozessqualität gewährleistet. Kundenorientierung bedeutet, daß jeder Geschäftsprozess einen definierten (internen/externen) Kunden bedient. Interne Kunden-Lieferanten-Beziehungen werden in der Praxis des Geschäftsprozessmanagements (engl.:
Business Process Management) jedoch zumeist weniger intensiv gepflegt als externe. In Geschäftsprozessen werden interne Lieferanten daran gemessen, wie sie die Anforderungen ihrer internen Kunden erfüllen und diese zufrieden stellen. In einem dritten Schritt muß für jeden Geschäftsprozess ein Prozesseigner bestimmt werden. Dieser Prozesseigner trägt end-to-end Verantwortung für den Geschäftsprozess. Die Prozesseigner sollten genügend Kompetenz haben, um die Interessen ihrer Geschäftsprozesse durchsetzen zu können. In einem vierten Schritt werden für jeden Geschäftsprozess Prozesskennzahlen definiert. Diese Prozesskennzahlen werden von den Unternehmenszielen und von der Unternehmensstrategie abgeleitet. Somit wird die Unternehmensstrategie in den Geschäftsprozessen abgebildet. Prozesskennzahlen bilden die Basis für Prozessoptimierung. Die Prozessoptimierung ist der eigentliche Zweck des Geschäftsprozessmanagements. Geschäftsprozesse optimieren heißt, ihre Leistungen kontinuierlich zu verbessern oder/und über radikale Erneuerungen sprunghaft zu steigern.